{"id":1074,"date":"2009-07-12T20:59:19","date_gmt":"2009-07-12T18:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lieblos.de\/?p=1074"},"modified":"2009-07-12T21:00:08","modified_gmt":"2009-07-12T19:00:08","slug":"contact","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lieblos.de\/?p=1074","title":{"rendered":"Contact!"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_6.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_6\" title=\"20090705lickershamm_6\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1075\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_6.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_6-300x141.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Die Beberich ist von einem Grau umh\u00fcllt, nur einige dicke Tropfen die von den Salingen fallen unterbrechen das eint\u00f6nige leise prasseln der Regentropfen auf das Deck. Kein Windger\u00e4usch, keine Gesellschaftsger\u00e4usche, kein Vogelzwitschern &#8211; nichts, es ist ausser dem Regen v\u00f6llig still. Die Beberich und ich liegen an einer kleinen Insel die sich laut karte H\u00e4sselholm nennt, Nord\u00f6stlich von Far\u00f6, hier liegen wir mit Henkanker an einem Felsen und genie\u00dfen seid gestern Abend die Ruhe nach zwei &#8211; auf ganz unterschiedliche Art &#8211; sch\u00f6nen Tagen.<\/p>\n<p>Ich verliess Visby gegen 10 Uhr in der Fr\u00fch, erst am Nachmittag merkte ich das es Samstag war, denn bis auf Tageszeitunterschiede sind mir die Kalendertage abhanden gekommen. Der Wind wehte m\u00e4\u00dfig aus der Richtung wo ich hin wollte, ein kleines St\u00fcck n\u00f6rdlich die K\u00fcste von Gotland hinauf zu einem kleinen Hafen Lickershamm. Mein Lieblingsschwede hatte mir davon am Kieselsteinstrand von Visby erz\u00e4hlt und auch Fotos gezeigt. Da wollte ich unbedingt hin, hin zu diesem einsamen Baum an der Steilk\u00fcste den ich auf einem Foto aus seinem Buch sehen konnte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNachdem mir beim Ausfahren aus dem Hafen-Visby dieses mal keine F\u00e4hre entgegen kam konnte ich sofort Segel setzten und segelte gen Westen. Bei ca. 10kn Wind rauschte die Beberich unter Vollzeug gute 5kn und ich war zufrieden. Ich hatte Zeit um die Segel zu trimmen und so nahm es nur ein kleiner Racer mit mir auf, der mich manchmal \u00fcberholte und den ich ein anders mal wieder nach einem Kreuzschlag packte. Der Wind nahm langsam ab, das merkte man ganz genau und ich hoffte mit meinem langen Schlag gerade noch genug Wind und H\u00f6he zu erhaschen um an eben der Landzunge vorbei zu kommen auf dem der besagte Baum stand. Dort hinter befand sich sofort der Hafen und ich h\u00e4tte es geschafft. F\u00fcnf Stunden ben\u00f6tigte ich f\u00fcr die 19sm die ich hinter mich bringen musste, und tats\u00e4chlich, mit nur wenig Motorunterst\u00fctzung in der letzten halben Stunde und ohne Kurs\u00e4nderung tuckerte ich an der Landzunge vorbei und da lag Lickershamm. Von weitem konnte ich die Boote z\u00e4hlen die dort lagen, nicht mehr als 15 St\u00fcck, verborgen hinter einem gro\u00dfen Wellenbrecher aus Steinen.<\/p>\n<p>Bei der Anfahrt bin ich hoch konzentriert, denn \u00fcberall liegen Steine die bis kurz unter die Wasseroberfl\u00e4che ragen, ich halte mich genau an die Fahrwasserpeilung und biege langsam in den Hafen ein. Direkt am Hafen ist ein kleiner Strand an dem viele Leute Baden und ich denke noch, &#8222;Sch\u00f6n, extra viel Publikum wenn ich versuche anzulegen&#8220;, doch Keinen interesiert es als ich mit der Beberich durch das kleine Hafenbecken tuckere und versuche das Boot r\u00fcckw\u00e4rts an den Steg zu bringen. Dies gelingt aber nicht, da ich mit dem Hintern einfach nicht rum komme in der Enge, kurzerhand lege ich dann vorw\u00e4rts mit der Steuerbordseite am Pier an. Mit dem Bug sch\u00f6n ran und dann Steuer Steuerbord und R\u00fcck\u00e4rtsgang um den Hintern ran zu holen, derweil gehe ich aufs Vordeck und steige mit der Vorleine auf den Steg &#8211; die sitzt fest, doch der Hintern kommt nicht rum. Schnell wieder an Bord, die Achterleine geholt an dem noch der Bojenhaken h\u00e4ngt und mit kraft das Heck an die Pier gezogen. Irgendwie sagte mir das Gef\u00fchl, das es dort einen Punkt zu \u00fcberwinden gab, zum Schluss ging das Ranziehen leichter als zu Beginn, aber ich schob es auf den Winkel mit dem die Beberich zum Pier lag. Zum ersten mal in Schweden half mir niemand, nicht das niemand dort gewesen w\u00e4re, nein sie gingen vorbei &#8211; unterhielten sich und schauten mal r\u00fcber &#8211; aber keiner machte den Anstand zu helfen. So kann&#8217;s also auch kommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_4.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_4\" title=\"20090705lickershamm_4\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1076\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_4.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_4-300x163.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Als die Beberich vern\u00fcnftig am Pier lag schaute ich noch mal auf das Lot, welches ich bis kurz vorm direkten Anlegen nicht aus den Augen gelassen hatte. In Lickershamm ist das Wasser nicht tief, das wusste ich und doch erschrak ich etwas als 1,9m auf dem Lot stand. Dies bedeutete max. 10cm unter dem Kiel, ahauahau. Hauptsache das Wasser f\u00e4llt nicht. \u00dcber den Abend merkte ich, dass es darauf ankam wie die Beberich gerade lag wie viel Wasser unterm Kiel war oder nicht. Klar war aber, ganz an den Steg ran konnte sie nicht treiben, denn dort war es zu flach. Die Beberich lag somit immer 40cm vom Steg ab, was ja rein schrammentechnisch f\u00fcr den Rumpf gut ist machte mir auf der anderen Seite am Kiel wieder sorgen.<\/p>\n<p>Ich vergass vor\u00fcbergehend die Sorgen und machte mich auf Erkundungstour. Den Baum &#8211; man konnte ihn hier vom Boot aus sehen &#8211; wollte ich erreichen. Ich packte Handtuch, Wasser, Buch, Fotoknippse in einen Jutebeutel und machte mich auf den Weg. Einen Weg entlang der in den Wald und in Richtung Felsen f\u00fchrte. Durchquerte einen Wald wie ich ihn schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen habe. \u00dcberall sah alles so unber\u00fchrt aus. Nur der kleine Pfad wies den Weg durchs Dickicht und manchmal konnte man durch die B\u00e4ume das Meer erblicken. Ich wanderte \u00fcber eine Holzbr\u00fccke immer weiter in die Richtung wo ich meine Landzunge vermutete und kam auch tats\u00e4chlich dort an. Der Felsen, vom Wasser aus gesehen hinter dem Baum wurde &#8211; wie so viele Felsen hier &#8211; als &#8222;Jungfrun&#8220; bezeichnet, dahinter schloss eine gro\u00dfe Wiese an. Wenn man dort so stand konnte man f\u00f6rmlich sp\u00fcren was hier in fr\u00fcheren Zeiten alles passiert sein muss. Irgendwie ein mystischer Ort an der Jungfru.<\/p>\n<p>Doch mir war es nicht genug, mich trennte der gro\u00dfe Felsen &#8211; die Jungfru &#8211; von meinem Baum, und so fing ich an zu klettern. Im ersten Moment erinnerte es mich etwas ans Zittauer Gebirge, als wir vor vielen Jahren mit Mama und Papa eine Burg auf dem normalen Wege ersteigen wollten und ich pl\u00f6tzlich den Berg, den Wald hinauf schaute. Mama rief &#8222;Nein!&#8220;, und ich erwiderte &#8222;Doch!&#8220; und war im Dickicht verschwunden und kletterte Schnurstracks den Berg hinauf ;-). So war es auch hier, ab von Pfad und Weg auf der Suche nach &#8222;meinem&#8220; Weg. Und ich fand ihn und nur Minuten sp\u00e4ter sa\u00df ich an meinem Baum. Ich konnte von dort aus die Bucht von Lickershamm \u00fcberblicken, sah die Beberich am Steg liegen und erfreute mich der Ruhe, dem Wind, dem Wasser und meines Baumes: Gestern in einem Buch gesehen &#8211; heute dort.<\/p>\n<p>Nach ein paar Minuten Pause machte ich mich weiter auf den Weg, ich kletterte runter zum Wasser und wanderte am Fuss der Steilk\u00fcste auf einem Kiesstrand umher, ich entfernte mich weiter von Lickershamm um zur n\u00e4chsten gro\u00dfen Felsansammlung zu kommen die ich entdecken konnte. Ich sprang von Stein zu stein, kletterte, hielt inne und pl\u00f6tzlich entdeckte ich hoch oben Stehend auf einem Felsen &#8211; meinen Strand! Nach ein wenig Klettern hatte ich auch ihn erreicht und f\u00fchlte mich angekommen. Eine angeschwemmte Holzpalette musste mir als Lager dienen, denn so sehr ich ja Strand mag &#8211; mit Handtuch auf dem Strand hat man nachher nur \u00fcberall diesen bl\u00f6den Sand, nein, dass wollte ich nicht ;-) &#8211; die Holzpalette kam genau recht. Ich breitete mein Lager aus, schmiss die Klamotten vom Leib und stolperte in die Fluten und nahm ein erfrischendes Bad. Auf dem Weg zur\u00fcck zu meiner Palette konnte ich den Strand und die dahinter liegende Steilk\u00fcste in voller Pracht betrachten und freute mich wie ein kleines Kind. Sass dann in Handtuch geh\u00fcllt eine lange Zeit auf meinem Lager und Lass in Ruhe mein Buch weiter, dass irgendwann im 15. Jahrhundert auf Gotland spielt. H\u00e4tte man mit einer Kamera Aufnahmen gemacht und mir einen Text gegeben, h\u00e4tten die Aufnahmen sicherlich in einen Film wie Beach hineingeschnitten werden k\u00f6nnen, ohne das es wem auffallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Als sich der Abend neigte wollte ich zur\u00fcck zum Boot &#8211; nat\u00fcrlich auf einem anderen Weg, &#8211; oben durch den Wald der hier bis an die Abh\u00e4nge heran ragte. Doch wie hinauf, hier wo es \u00fcberall zu steil zum klettern war? Ich suchte mir eine Stelle, die zwar waghalsig, aber dennoch zu schaffen war. Robbte mich wie im Zittauer Gebirge von einem Steinvorsprung zum n\u00e4chsten, ohne nicht zu vergessen zu pr\u00fcfen ob diese auch hielten &#8211; was sie teilweise nicht taten. Zog mich an einer Baumwurzel zur n\u00e4chsten und liess den Schweiss rinnen wie er wollte. Mein Jutes\u00e4ckchen hing an meinem Arm und manches mal w\u00fcnschte ich mir, er w\u00e4re ein Rucksack, aber meine W\u00fcnsche wurden leider nicht erh\u00f6ht, zumindest nicht diese. &#8222;Geschafft!&#8220; oben, sicheren Fusses auf einem Felsen. Nun waren es nur noch wenige, sichere Klettermeter bis zur Spitze.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_5.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_5\" title=\"20090705lickershamm_5\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1077\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_5.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_5-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Von oben hatte man einen noch besseren Blick \u00fcber Strand, Bucht und das weite Wasser. Ich genoss den den Blick und machte mich alsbald auf einem Pfad in den Wald zu folgen, immer der Nase und Orientierung nach dorthin wo ich wollte &#8211; nat\u00fcrlich ohne vorgegebene Pfade zu verlassen. Was f\u00fcr ein Wald, \u00fcberall Moose, tiefe Dickichte, Farn und was das gr\u00fcne Malerherz hergibt. Gr\u00fcn in allen Farben und Formen,- Lysann und Horst w\u00fcrden \u00fcbergehen vor Gl\u00fcck, ja sie w\u00fcrden zerschmelzen vor Freude, sie w\u00fcrden Weinen und Ihr Herz w\u00fcrde sich weiter \u00f6ffnen: Gr\u00fcn soweit das Auge reicht, unterbrochen von etwas braun das durch die Moose hindurchblickt und einen alten Baumstamm darstellt. Ein Foto kann dies nicht wiedergeben, so viel Gr\u00fcn kann kein Abbild zeigen &#8211; so viel Gr\u00fcn kann nicht geschrieben werden wie es dort erscheint. Man sp\u00fcrt wie das Gr\u00fcn einen durchdringt, wie es in jede Faser des Seins sein Abbild legt und wie der Duft der verschiedenen Gr\u00fcnt\u00f6ne in die Nase steigt und dort grandioses vollbringt. Ich bin nicht vom Wandern ersch\u00f6pft, doch ich muss mich setzten, muss eine Pause machen und setze mich ganz sanft auf das Moos und versuche meine Augen wahrnehmen zu lassen was sie jetzt, still sitzend, sehen k\u00f6nnen. Doch ich bin kl\u00e4glich gescheitert, nicht auf einem Foto und auch in Erinnerung ist dieses Gr\u00fcn nicht mitzunehmen, es wird dort bleiben, dort auf Gotland in der N\u00e4he meines Baumes. Und wahrscheinlich ist es gut so, an dem Ort wo das Gr\u00fcn bewahrt wird, dort soll man es nicht rauben. Es soll dort bleiben und wenn mich irgendwann mal jemand nach der Farbe Gr\u00fcn fragt, so werde ich ihn hier her schicken. Und sollte es selbst ein Blinder sein, auch ihn w\u00fcrde ich das Gr\u00fcn hier nahebringen k\u00f6nnen, wie es nirgends anders m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Den Abend verbrachte ich an Bord, plante die \u00dcberfahrt am n\u00e4chsten Tag und genoss noch eine Dusche in den wirklich zu empfehlenden Sanit\u00e4ranlagen von Lickershamm. Eher einem Badezimmer gleich, als einer Campingdusche wie in Visby. Mit Familenduschen und einer Toilette wie ich sie seid Wochen nicht mehr gesehen habe und wie ich sie auch lange Zeit nicht mehr sehen werde, wie ich sp\u00e4ter herausfand. Alles in allem ziehe ich Lickershamm trotz der geringen Wasseriefe und den weniger guten Versorgungsm\u00f6glichkeiten vor. Eine Tankstelle oder Kaufmannsladen muss man in diesen kleinen H\u00fctten nicht erwarten, daf\u00fcr gibt es aber einen Minigolfplatz, frischen ger\u00e4ucherten Fisch und auch Wasser und Eis kann man erwerben, daneben kostet es fast nur die H\u00e4lfte vom Liegeplatzgeld in Visby &#8211; und wenn man Visby unbedingt sehen will, dann f\u00e4hrt sicherlich auch ein Bus. Alte Stadtmauer und enge Gassen in Visby hin- oder her. Hier gef\u00e4llt es mir weitaus besser, wenn es hier auch weitaus mehr M\u00fccken gibt die meinem K\u00f6rper nahe r\u00fccken und diverse Schwellungen und Juckreiz hinterlassen. Dieses Jahr sind meine Kniee auserkohren und gl\u00fchen vor M\u00fcckenstichen. Selbst mit meinem hochbeschw\u00f6rten Antim\u00fcckenstich-Tacker komme ich nicht nach und denke das erste mal, dass es zwar wundersch\u00f6n hier sein mag aber noch einmal werde ich diese Gegend nicht besuchen &#8211; der M\u00fccken wegen. Nat\u00fcrlich nur ein Gedanke, der schnell wieder aus dem Kopf verschwunden ist.<\/p>\n<p>Als der Abend sp\u00e4ter wird gehe ich mit murmeldem Bauch schlafen, der Liegeplatz scheint mir nicht optimal und das wenige Wasser unterm Kiel bereiten mir Sorgen die ich die n\u00e4chsten Stunden im Halbschlaf immer wieder vor Augen gef\u00fchrt bekomme. Immer wieder Tr\u00e4ume \u00fcber eine zerbarstete Beberich, eine Beberich die an Land steht und kein Wasser unterm Rumpf sp\u00fchrt, einer Beberich der es nicht gut geht. Als der Wind in den Morgenstunden rund um 3 Uhr mehr wird ist es schon taghell draussen. Ich sp\u00fchre wie der Kiel bei jedem kleinen Schwell der in den Hafen dr\u00e4ngt aufsetzt, so als wenn die Festmacher ruckeln h\u00f6rt es sich an, ich weiss das es nicht schlimm ist aber ich sp\u00fcre es. Es ist mir nicht wohl und doch lege ich mich weiter schlafen, es gab bisher zu wenig geruhsamen Schlaf diese Nacht. Kurz vor 6 halte ich es nicht mehr aus, die immer w\u00e4hrende Unruhe bei jedem Ditscher den die Beberich auf Grund macht, lassen mich trotz des Windes der vorherrscht die Entscheidung f\u00e4llen jetzt und sofort auszulaufen. <\/p>\n<p>Doch vor dem Auslaufen liegt das ablegen. Ich habe schon so eine Ahnung, dass es sicherlich etwas trickreich werden wird, denn irgendwie scheint der Kiel der Beberich zwischen zwei Untiefen zu stecken &#8211; so sagt zumindest mein Gef\u00fchl und dies Gef\u00fchl lag nicht schlecht und erkl\u00e4rt auch das schwierige heranziehen beim anlegen. Es bedarf die Kraft eines anderen Fr\u00fchaufstehers und der Meinigen um die Beberich so weit vom Steg weg zu wuchten bis sie wieder frei schwamm. Das restliche Ablegen wurde nur durch die Enge erschwert. &#8222;Nur nicht wieder auflaufen, und dann noch hier im Hafen feststecken&#8220;, ging es mir durch den Kopf, und so drehte ich das Steuerrad schon etwas zu fr\u00fch rum und schrammte mit dem am Heck befestigten Schlauchboot die Kaimauer, was diesem nat\u00fcrlich nicht gut tat und wie ich sp\u00e4ter bemerkte wohl auch die Luftundurchl\u00e4assigkeit gekostet hat. Das Schlauchi verlor jedenfalls stetig Luft und w\u00e4hrend der weiteren Fahrt musste ich mal wieder die Bodenbretter retten, was dieses mal aber kein nennenswertes Problem darstellte, da ich ja schon im Zuge der bevorstehenden grossen \u00dcberfahrt das Schlauchi fest am Heck auf dem Spiegel gesichert hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_3.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_3\" title=\"20090705lickershamm_3\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1078\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_3.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_3-300x155.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Nordnordost-Wind, um die 20kn (5Bf) wehen, doch die k\u00f6nnen mich nicht schrecken. Meine Hoffnung ist, dass die Welle draussen wo es tiefer wird nicht ganz so schlimm ist wie hier vor dem Hafen, dass sie lang genug ist damit die Beberich geruhsam auf ihnen auf- und ab gleiten kann. Nach einer kitzeligen Ausfahrt an der heftigen Brandung vorbei werde ich eines besseren belehrt. Trotz der Wassertiefe zwischen 50 und 100m steht hier eine Welle wie sie viel fieser nicht sein kann. Die Beberich stampft unter Motor dem Wind entgegen, 60sm liegen vor mir, ganze 4 habe ich in der ersten Stunde schon geschafft. &#8222;Was f\u00fcr eine Thermik&#8220;, denke ich bei mir &#8211; das Wasser und das Land mit seinen unterschiedlichen Temperaturen sorgt f\u00fcr Wind und dieser sorgt f\u00fcr Welle. Die Natur ist nicht anzuzweifeln und so starre ich weiterhin gebannt auf das Meer, bin beeindruckt von den Wellen die manches mal sicher eine H\u00f6he von 5m erreichen und sp\u00fcre den Schmerz wenn die Beberich wieder im freien Fall auf das Wasser klatscht. Ich muss lernen, dass die Beberich doch nicht so Wasserdicht ist wie sie mir immer schien. Die Gummis der Decksluken scheinen nicht mehr das an Dichtigkeit zu gew\u00e4hren was sie sollen und auch durch die schon bekannten L\u00fcfter im Vordeck dringt Rinnsal-gross das Wasser ein, immer dann wenn die Beberich in die Welle stampft und wie ein Bagger mit dem Bug Wasser aufnimmt und es \u00fcber das ganze Deck schleudert, immer dann rinnt das Wasser hinein und sammelt sich in der Bilge. Zus\u00e4tzlich reisst sich die Verankerung vom Herd los, so das der Herd frei hin und her schwingen kann,- was er ja beim Kochen auch gerne soll, aber hier und jetzt ist das eine ziemlich bl\u00f6de Idee wenn der schwere Herd immer hin- und her kracht. Die neue Decke von Oma l\u00f6st dieses Problem ziemlich schnell: Einfach um den Herd gestopft, schon bewegt er sich nicht mehr. Doch das Stampfen ist Nervt\u00f6tend, rutschen wir auf einer Welle mit 6kn runter, so gibt der Motor alles um die Beberich innerhalb einer Minute nach dem Eintauchen in eine Welle wieder \u00fcber 3kn zu bringen. Es ist alles sicher, es besteht zu keiner Zeit auch nur der Ansatz von Unsicherheit oder gar Gefahr, doch Erholung &#8211; insbesondere f\u00fcr die Beberich &#8211; ist dies nicht, und auch mir macht es einfach keinen Spass f\u00fcr welchen Preis ich Richtung Stockholm Poltere, f\u00fcr welchen Preis ich eine Stadt bezahlen soll, die mir wahrscheinlich genauso viel gibt wie Visby. W\u00e4re Tatjana dabei, ginge es vielleicht um einen Stadtbummel, neue Schuhe die in der Einsamkeit nicht zu bekommen sind, ginge es um einen Latte in einem schnuckeligen Caf\u00e9 &#8211; mal davon abgesehen, dass ich mit Tatjana bei dem Wetter gar nicht erst ausgelaufen w\u00e4re ;-) &#8211; aber hier war ich, der sich an der Einsamkeit erg\u00f6tzen kann, dem das Gr\u00fcn mehr Wohlgef\u00fchl bereitet als einsame Schuhe im Schaufenster und der ab und zu in einer Stadt nur Diesel um Strom suchte, und vielleicht einen Lieblingsschweden der mir noch ein paar sch\u00f6ne Ecken verr\u00e4t. Dem gegen\u00fcber stand mein Plan, mein Plan heute an die Sch\u00e4ren s\u00fcdlich von Stockholm heran zu kommen und morgen Stockholm anzulaufen und es f\u00e4llt mir schwer einen gefassten Plan \u00fcber den Haufen zu werfen. Dann entsinnt ich mich aber dem eigentlichen Plan: Urlaub, Segeln mit der Beberich &#8211; SEGELN &#8211; und nicht bei 4-5m Welle mit Motor gegenan stampfen. Stockholm gebar aus der M\u00f6glichkeit mit Matthias in den ersten Tagen mehr Seemeilen zu schaffen um genau zu sein &#8211; der Plan entstand mit Matthias nach Stockholm zu segeln um von dort aus meine Erholungstour zu beginnen. Das Wetter machte uns schon fr\u00fchzeitig einen Strich durch die Rechnung und ich besann mich schon vor &#8222;Bla Jungfrun&#8220; auf meine Erholung und auf Meilenfressen alleine zu verzichten; warum also nicht auch jetzt. Und so fiel sie, die Entscheidung Abzulaufen. Nach fast 500sm gegenan war genug, ich will 60-90 Grad weiter westlich mein Ziel f\u00fcr heute suchen um die Segel zu setzen um endlich wieder zu segeln.<\/p>\n<p>Wohin war erstmal egal, nur raus aus diesem Stampfen und endlich Motor aus. Der Wind hatte sich bei 25kn eingependelt und auf Raumschotkurs setze ich ca ein Drittel meiner Genua. Schon schoss die Beberich mit \u00fcber 7kn die Wellen entlang. Was f\u00fcr ein Ritt auf den Wellen &#8211; sie wurden ja durch die Kurs\u00e4nderung nicht kleiner und so ritt ich wie einst ein Herr M\u00fcnchhausen auf den Kanonenkugeln auf den Wellen, schnell waren 8kn erreicht und die Beberich rauschte was das Zeug h\u00e4lt. Ich merkte schnell das dieser Kurs meinem Magen nicht wohl kam, ich frage mich eh&#8216; h\u00e4ufig wie ich eigentlich drauf komme zu segeln, wo ich doch wohl der denkbar ungeeignetste Kandidat daf\u00fcr bin: Ich, f\u00fcr den immer alles perfekt in seiner subjektiven Realit\u00e4t sein muss, der schwer damit zu k\u00e4mpfen hat wenn ein Plan nicht so funktioniert wie er gedanklich geschrieben wurde, f\u00fcr den alles immer effizient und effektiv sein soll. Dieser Jemand steht auf einem Segelboot, bei dem es um Kompromisse geht. Wo immer etwas nicht so klappt wie es soll, andauernd geht etwas kaputt und man muss improvisieren. K\u00f6rperliche Anstrengung anstatt im Bett zu liegen und zu tr\u00e4umen. Alles Dinge die nicht zu Sven passen und doch bin ich hier, und geniesse die Situation mehr als das Sch\u00f6nwettersegeln am gestrigen Tag ohne es jemals zuzugeben und in diesem Moment zu merken. Werde leiser und fluche nicht wenn ich mich stosse und bin konzentriert, konzentriert auf den Ritt und meinen Magen der Karussell fahren einfach nicht mag und noch nie mochte. Ich gehe etwas mehr an den Wind, auch wenn ich die Welle dann von der Seite bekomme, zu schlimm ist sie nicht um die Beberich umzuwerfen und mein Magen wird es mir danken. <\/p>\n<p>Auf Halbwindkurs plus ein paar Grad d\u00fcse ich quer zu den Wellen, ein wahnsinniges Gef\u00fchl wenn wieder so ein Kollege unter der Beberich hindurchschwellt, welche Macht das Wasser besitzt ist einfach Atemberaubend. Mit der Zeit suche ich mir einen Punkt den ich am Festland, am Beginn der Sch\u00e4ren erreichen m\u00f6chte. Kurs ca. 280 Grad, ein Leuchtfeuer was mich in die Sch\u00e4renwelt lenken soll. Bis dahin sind es von Gotland ca. 50sm von denen noch 40 vor mir liegen. Ich merke, dass der Wind ganz langsam abflaut, alle halbe Stunde setze ich etwas mehr Segel bis die Genau ganz draussen ist. Dauerhaft legt die Beberich \u00fcber 7,5kn hin, h\u00e4ufig sehe ich weit \u00fcber 8kn und ein paar mal stattet auch die 9kn+ meinem GPS einen kleinen Besuch ab. Die Seemeilen fliegen so schnell wie die Wellen an uns vor\u00fcber und auch wenn ich mich nur beschwerlich auf der Beberich bewegen kann so geniesse ich den Ritt. Beim Pinkeln gehen unter Deck gibt es blaue Flecken und ich kann an allen Ecken, Schr\u00e4nken und Einbauten sehen was f\u00fcr Kraft auf die Beberich einwirkt und entdecke einen offenen Leimspalt nahe des Topfschrankes. Die Sonne kommt irgendwann raus und ich kann sogar das Regenzeug ausziehen, schon kurze Zeit sp\u00e4ter kann man mich auf dem Deck in der Sonne liegen sehen &#8211; wenn man denn dort w\u00e4re, aber niemand ist auf dem Wasser &#8211; nur die Beberich und ich. Wahnsinn!<\/p>\n<p>Die Meilen fliegen und die Sonne brennt und die Beberich wird weiter von Wellen untersp\u00fclt, ganz langsam nimmt auch der Wellengang ab und pendelt sich bei 1-2m Wellen ein. Der Wind nimmt dabei so stark ab, dass ich auch das Gross setzen muss, denn unter 6kn ist die Welle zu stark um die Beberich auf Kurz zu halten, wir m\u00fcssen schnell bleiben sonst wirft uns die Welle hin wo wir nicht hinwollen. Ich kann schon das besagte Leuchtfeuer sehen, da schl\u00e4ft der Wind auf unter 7kn ein und ich starte den Motor. Bei weiterhin sch\u00f6n Welle hole ich die Segel ein und kann mich kartentechnisch und gedanklich auf die Sch\u00e4renwelt und die Navigation dort einstellen. &#8211; Als ob ich die ganze Fahrt \u00fcber irgendetwas anderes gemacht h\u00e4tte ;-).<\/p>\n<p>Die Aussensch\u00e4ren sind erreicht, das Leuchtfeuer passiert un dich habe Contact! &#8211; Da ist sie, die Welt die mich nicht mehr loslassen wird &#8211; aber das weiss ich noch nicht ;-).<\/p>\n<p>Faszinierend wie eine Landzunge am Horizont auftaucht und sich dann immer mehr zu Inseln, Steinen, ganze Inselketten entpuppen. Ein hoch an alle Navigatoren ohne GPS oder gar genaue Seekarten. Alleine ohne Plotter w\u00e4re das hier nicht ohne Stress zu schaffen. Die Wassertiefen schwanken so schnell, und hier noch 50m Tief, so kann es dort schon nur noch einen Meter sein. Ich halte mich hier wo es ein paar Fahrwassertonnen gibt genau an sie und \u00fcbernehme das Steuer. Der Autopilot der den ganzen Tag wieder super Dienste geleistet hat kann nun Feierabend machen und die Sch\u00e4renwelt geniessen. Immer wieder muss ich aufpassen nicht von der Sch\u00e4renwelt selbst \u00fcbermannt zu werden und drohe den Kurs zu verlieren, doch immer wieder finde ich den richtigen Weg und verfalle dem Staunen nur so stark, dass ich auch weiter steuern kann. Faszinieren, dachte ich vor wenigen Minuten noch der Detailreichtum der Buchten und Inseln w\u00e4re erreicht, so bietet sich nach der n\u00e4chsten Ecke ein noch weiteres Reich an Buchten, Inseln und Steinen. \u00dcberall vereinzelte, kleine rote Holzh\u00e4user mit einem kleinen Holz- oder Natursteg, \u00fcberall die Felsen und die Nadelb\u00e4ume auf ihnen. \u00dcberall ein kleines Eiland was unentdeckt scheint und doch sicherlich schon millionenfach besucht wurde.<\/p>\n<p>Auf der Karte hatte ich eine kleine Enge zwischen Far\u00f6 und Lindholm ausgemacht, eines meiner B\u00fccher beschrieb das man dort Ankern k\u00f6nne und so wollte ich diese Enge f\u00fcr mein Nachtlager benutzen. Ich hoffte auf einen Platz l\u00e4ngsseits der Felsen um nicht gleich beim ersten mal in den Sch\u00e4ren den Heckanker alleine auszuprobieren zu m\u00fcssen und so bereitete ich treibend meine Fender an Steuerbord vor w\u00e4hrend ich zwischendurch immer wieder \u00fcberw\u00e4ltigt gen Felsen und Inseln starrte. &#8222;In diese kleine Enge soll ich rein?&#8220;, dachte ich bei mir als ich die Einfahrt endeckte und warf sogleich einen Blick auf den Plotter und mein Lot. \u00dcber 15m Wassertiefe sollten wohl gen\u00fcgen und so folgte ich der Enge. Hier und auch dort schwangen Fischreier ihre Fl\u00fcgel als sie mich daher tuckern sahen und machten diese kleine Enge zwischen den Felsen zu meiner eigenen Entdeckungstour. Ich taste mich langsam mit der Beberich vor, lies den Motor so langsam laufen wie es ging und entdeckte eine Welt die es zuvor auf meiner gedanklichen Landkarte nicht gab. Ich entdeckte eine Welt in der ich mich zuvor nie zu sein getr\u00e4umt h\u00e4tte und merke sofort, dass hier Meter zu Meilen w\u00fcrden, das eine Stunde zu einer Minute wird, das die Zeit und der Raum hier anders schl\u00e4gt. So unschuldig liegen sie da, die Felsen haushoch oder gar minimal \u00fcber das Wasser ragend. Jeder Meter spannend und jede Bucht gilt es zu entdecken. Wer hier Meilen frisst ist selber schuld, dem geh\u00f6rt die Gesellschaft auf den Hals gehetzt, wer hier hetzt hat verloren. Hier heisst es die Gelassenheit wie Rosmarin zu pflegen. Wer hier nicht staunt, wundert, rastet und ruht dem sei auf dieser unserer Erde nicht mehr geholfen. Der ist verloren im Strudel der Schnelllebigkeit. Ich denke kurz an Stockholm, auf der Karte vielleicht 80sm entfernt, hier in freier Natur scheinen sie mir wie 800!<\/p>\n<p>Ich schaue mir zwei oder drei Stellen an, die mir als Liegeplatz gut erscheinen, doch immer brummelt in meinem Bauch etwas dagegen, ich erreiche in Schleichfahrt eine klitzekleine Bucht in der die Beberich vielleicht 4 oder 5 mal hinein passt, doch am Ende der Bucht steht ein Haus und ich m\u00f6chte nicht st\u00f6ren. In mir steigt das Gef\u00fchl vielleicht doch hier und in Ruhe meinen Heckanker auszuprobieren der bisher ein einsames Leben in der Ankerkiste t\u00e4tigte. Wieder liess ich die Beberich treiben, nicht ohne die Engen Felsen ausser Acht zu lassen und kramte den Heckanker hervor und verholte ihn nach Achtern. Schon zuvor hatte ich mir eine kleine Einbuchtung ausgeschaut bei der es sicherlich m\u00f6glich sein musste mit dem Bug an den Felsen zu gehen, solange der Heckanker halten w\u00fcrde. Ich fuhr in Schleichfahrt auf den Felsen zu, und ca. 2,5 Bootsl\u00e4ngen vor dem Felsen warf ich den Heckanker, liess ein wenig Leine und pr\u00fcfte ob er hielt. Die ganze Zeit achtete ich auf das Lot, das vor dem Anker werfen schnell von 15m auf 3 und auch 2,5m fiel. &#8211; Der Heckanker hielt, und ich tatstete mich langsam an den Fels ran, einmal nach vorne aufs Vordeck zeigten mir noch ca. 1,5 Meter, dann kann ich den Fels erreichen. Also noch etwas Heckankerleine geben und den Bug mit leichtem Vorw\u00e4rtsgang an die gew\u00fcnschte Ecke dirigiert. Schnell die Vorleine geschnappt &#8211; ich hatte extra schon eine sehr Lange bereit gelegt &#8211; und \u00fcber den Bugkorb auf den Felsen. &#8222;Nein, der Baum ist nicht stabil genug &#8211; wohin mit der Vorleine?!&#8220;, schiesst es mir durch den Kopf, &#8222;ja, dieser Stein, ca 1 Meter Umfang, der sollte halten &#8211; und bei nicht all zu viel Wind zerschneidet er auch die Leine nicht&#8220;, denke ich weiter, und wickle die Vorleine um den Stein wie um einen \u00fcbergrossen Poller und f\u00fchre sie dann zur\u00fcck zur Klampe an Deck. Um das Auf- und Absteigen von Bord etwas einfacher zu gestalten lege ich auch nach Backbord eine Leine an einen etwas kleineren Stein. So kann ich den Bug von Land aus etwas n\u00e4her ran holen und ganz gem\u00fctlich \u00fcbersteigen. Da ich den Bereich noch nicht absch\u00e4tzen kann, den die Ankerleine der Beberich bietet kommen an die Backbord-Bugspitze zwei Kugelfender um die Beberich vor den nahliegenden Felsen bei eventuellem Abtrieb zu sch\u00fctzen. Noch einmal pr\u00fcfe ich die Heckankerleine und hole sie ein St\u00fcckchen dichter und bin zufrieden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_2.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_2\" title=\"20090705lickershamm_2\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1079\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_2.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_2-300x181.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Die Beberich liegt mit Heckanker an einer Sch\u00e4re,- das erste mal. Wasser. Felsen. Beberich. Sven. Allein. Grandios.<\/p>\n<p>Sogleich nehme ich die Fotoknippse und st\u00fcrme meine Insel: H\u00e4sselholm heisst sie. Ohne Unterbrechung mache ich Fotos von der Beberich und lasse mich dann langsam auf dem Fels nieder. Lasse die Gedanken kreisen und erfreue mich das es so ist, und nicht anders. Nach guten 500sm liegt die Beberich an einer Sch\u00e4re in Schweden fest. Die Natur hat mich in ihre Mitte gelassen und ich geniesse den Blick auf das Deck der Beberich, meine Gute &#8211; wenn auch nicht ganz Wasserdichte ;-) &#8211; da liegst Du nun, gut hast Du mich hergebracht und wirst mich auch weiter gut \u00fcber das Wasser bringen und ich weiss das all die Dinge die mir immer nicht passen, die nicht optimal erscheinen und die mich manches mal mehr finanzielle Kraft kosten als mir zusteht, das all&#8216; diese Dinge mikroskopisch klein erscheinen f\u00fcr nur einen Blick dieses gleichen. Diese Gef\u00fchl hier im irgendwo zu sein, dort wo keine Stra\u00dfe hinf\u00fchrt, dort wo mich der Wind hingef\u00fchrt hat, dieses Gef\u00fchl ist es mir des Lebens wert. Das ist der Erdapfel der geschaffen wurde, mit seinen Gewalten und seinen Gaben, fast unverf\u00e4lscht von menschlicher Kontrollsucht der Gesellschaft. Auch wenn dieser Moment nur kurz inne h\u00e4lt und ich einen kleinen Komfort dieser menschlichen Kontrollsucht kurz darauf dringend aufsuchen muss &#8211; mein Klo an Bord ;-)<\/p>\n<p>Es ist still um die Beberich. Der Wind ist komplett eingeschlafen und bis auf ein kurz vor\u00fcber rasender Wasserskil\u00e4ufer der mir freundlicher Weise durch seinen Schwell den Halt des Ankers noch mal best\u00e4tigen kann ist es ruhig. Ich halte inne und geniesse dieses einfach Sein. Hier &#8211; egal wo &#8211; hier bin ich und lausche der Ruhe und steige von Bord. Hinab in eine Welt die einem M\u00e4rchen gleicht. Ich klettere \u00fcber Felsen dort hin\u00fcber wo die B\u00e4ume dichter werden. Vorbei an rausgerissenen Baumwurzeln unter denen schon l\u00e4ngst wieder neues Leben gewachsen ist. Ich streife \u00fcber Moos und riesengrosse Blaubeerfelder durch den Wald der nicht ganz so gr\u00fcn wie der auf Gotland wirkt, der jedoch seine ganz eigenen Wunder vor mir ausbreitet. Sollte ich dieses Fleckchen Erde in einem Satz beschreiben, so w\u00fcrde ich es so ausdr\u00fccken: W\u00fcrde mir hier gar ein Ritter, eine Fee oder auch eine Hexe begegnen, so w\u00fcrde ich sie so freundlich es geht gr\u00fc\u00dfen und mich nicht weiter wundern. Alles scheint verwunschen, scheint vor hunderten von Jahren erschaffen und auch erhalten geblieben. Die Gr\u00e4ser und die B\u00e4ume wachsen und fallen um wie es ihnen die Natur vorgibt, die Blaubeerfelder \u00fcberwuchern den Boden und die einzigen Pfade die millionenfach zu erkennen sind werden eifrig von den Ameisen der Insel benutzt. Ohne \u00dcbertreibung sind es wahrscheinlich Millionen Ameisen die hier fleissig ihr Dasein bestreiten, das Wort Autobahn &#8211; manche gar mit 20-50 Spuren zeigt hier was in ihm steckt. Drei Ameisenhaufen mit sicherlich 1 bis 1,5 Metern Durchmesser, wie ich sie so gross das letzte mal vor Jahren bei einer Fahrradtour gesehen hatte, sind auf der Insel verteilt. Und ich bin mir sicher, die Strassen verbinden all diese Millionenst\u00e4dte und so scheint das Band der Gesellschaft, der Zeitdruck und all der hass und die Liebe n\u00e4her als ich es mir w\u00fcnschen mag. &#8211; Und doch stehe ich da, starre fasziniert auf das Getummel, auf dieses scheinbare Chaos und mich juckt und zwickt es schon vom Hinsehen, bevor eine Ameise \u00fcberhaupt meinen Fuss erreicht hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_1.jpg\" alt=\"20090705lickershamm_1\" title=\"20090705lickershamm_1\" width=\"690\"  class=\"aligncenter size-full wp-image-1080\" srcset=\"https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_1.jpg 800w, https:\/\/www.lieblos.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/20090705lickershamm_1-300x184.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Ich streife weiter \u00fcber die Insel, immer vorsichtig und bedacht keine Spuren zu hinterlassen. Besteige Fels um Fels und schlage mich neben den Ameisenpfaden durch Dickicht bis ich die Beberich wieder erreicht habe. Sp\u00fcre wie die M\u00fccken mich weiter zerstochen haben, als Preis f\u00fcr die Sch\u00f6nheit, f\u00fcr die Natur die hier steht wie sie stehen soll. Wie ich sie nicht anzweifle, wie ich sie mir nicht zu ertr\u00e4umen gehofft habe. Die Fr\u00fcchte der Welt sind gut, dar\u00fcber besteht kein Zweifel mehr, also schmeisse ich das erste mal in meinem Leben die Angel aus. Nach drei gescheiterten W\u00fcrfen verliere ich die sog. Bremmskurbel &#8230;. naja, dann eben ein andern mal und heute noch Fisch aus der Dose.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beberich ist von einem Grau umh\u00fcllt, nur einige dicke Tropfen die von den Salingen fallen unterbrechen das eint\u00f6nige leise prasseln der Regentropfen auf das Deck. 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