[update] Schon OK, wenn Sie uns nicht gefunden haben – Hauptsache, wir finden Sie.

Aus gegebenem Anlass zu meinem heutigen Gefuehl, mein Boot wegen des Zusammenspiels von Windrichtung, Windstärke und der allgemeinen Wetterverhaeltnisse in Damp liegen zu lassen und auf dem Landweg zurueckzukehren – hier ein wirklich warm ans Herz gelegter Hinweis auf die Menschen die mir sofort helfen wenn mich mein Gefuehl mal im Vorfeld trueben sollte:

DGzRS: Wer findet den Seenotrettungskreuzer?

Gestern duempelte ich bei sehr schwachem Wind gen Damp. Die ganze Zeit konnte ich mit meinem namenlosen und bunten Vorsegel rumspielen und mehrer Stunden testen wie und wo es denn nun am besten steht und dem Boot Vortrieb bringt. Der Wetterbericht fuer heute sagte schon etwas mehr Wind voraus, aber bis auf die Windrichtung nichts besonderes. Die Nacht schlief ich schlecht und gegen 5 Uhr in der Frueh wurde ich von einem ungewohnten Geraeusch aus der Koje geholt. Irgendetwas scheuerte an Deck, was dort nicht scheuern sollte. Schnell die Hose an und Barfuss an Deck – das Grossegel war am Abend noch brav auf dem Grossbaum zusammengelegt,- nun flatterten grosse Teile hin und her. Irgendwie hatten sich die Zeisinge (Baendsel) geloest die es am Baum befestigten sollten. Die



Angelegenheit war schnell behoben doch die Nachtruhe wurde nicht ruhiger. Der Wind frischte immer mehr auf und erreichte dann im Hafen Damp gegen 9 Uhr etwa 6Bf aus suedlicher Richtung. Genau dort muss ich bis auf wenige Grad, hin – sollte ich segeln, so muesste ich hart an den Wind. Zusaetzlich wurde es von oben her immer feuchter und ich entschied mich ersteinmal abzuwarten. Der Wind sollte westlicher drehen, aber leider auch zunehmen. Wenn schon, dachte ich – hauptsache er dreht, dann geht das vielleicht. Nach der Nacht in der mich ein ungutes Gefuehl plagte, nach dem Hinweis eines Erfahrenen Seglers der schon am Vorabend kund tat, dass es mit dem Wind nicht einfach werde und der Tatsache das der Wind nicht wirklich drehen wollte, entschied ich schlussendlich das Boot im Hafen zu lassen. Um das Boot im Hafen etwas sicherer vor dem Wind zu schuetzen, verholte ich es auf Anraten des Hafenmeisters auf einen anderen Platz – schon dieses Verholen, alleine in eine andere Box, war durch den Wind kein einfaches Unterfangen und ich war froh als das Boot wieder fest war und kein Boot – weder die in den Nachbarboxen, noch Meines – beschaedigt wurde.
Fuer mich ging es dann per Bus & Bahn nach Kiel, eine schoene Fahrt auf der ich noch ein bisschen was von der Gegend sehen konnte. Mit Seglermusik(Matrose Schoenfeld) im Ohr und mit tatsaechlich ein paar Sonnenstrahlen durchs Fenster eine geruhsame Tour nach Kiel. Im Nachhinein wurd das Wetter etwas trockener, der Wind stieg auf ueber 8Bf und ich haette kraeftezehrend gegenan kreuzen muessen. – So war es ein schoener Sonntag!

9.November 2008: Blick Richtung Sueden aus Damp

Das es auch mal anders laufen kann sei jedem bewusst. Aus diesem Grunde verlinke ich oben auf die DGzRS. Ich bin dort Foerdermitglied, und jeder der an die Seelen auf dem Meer denkt sollte sie mit seinen Mitteln unterstuetzten wie ich finde, denn sie haben nichts anders ausser unseren Spenden! Ein Verein der schon weit ueber 100 Jahre ohne staatliche Hilfe auskommt.

Es ist der 27. Oktober. Der Sturm aus West mit Staerke 9, in Boeen 10, tuermt Wellenberge auf. Routinearbeit an Deck eines 135 Meter langen deustchen Containerfrachters vor Langeoog. Ploetzlich reisst eine Welle den Maschinisten ueber die Reling: Mann ueber Bord! Sofort setzt der Kapitaen einen Notruf ab. Der Schiffbruechige treibt jetzt allein in der kochenden See.
Binnen Minuten laufen drei Seenotkreuzer aus. Unsere Seenotleitung alarmiert die gesamte Schiffart im Revier und uebernimmt die Koordination. Ungewoehnlich hoher Seegang, heftige Schaumentwicklung und der starke Strom erschweren die Suche erheblich. Einen winzigen Kopf an der Wasseroberflaeche wiederzufinden erscheint unter diesen Umstaenden aussichtslos.
Der Einsatz erfordert hoechste Professionalitaet, Mut und unerschuettlicher Optimismus von unseren Besatzungen. Ihnen gelingt an diesem Tag Unglaubliches: Mit ihrer jahrelangen Erfahrung, kaum vorstellbarer Revierkenntnis und dem Vertrauen auf ihr Gespuehr finden sie den Schiffbruechigen in diesem Hexenkessel. Aber: Gesehen ist noch nicht gerettet.
Von der Wasseroberflaeche aus ist das Deck eines Seenotkreuzers unerreichbar hoch. Doch es bleibt keine Wahl, Zeit zum Nachdenken auch nicht. Es gibt nur eine einzige Chance. Vormann Kay Goldenstein drueckt den riesigen Bug des Seenotkreuzers an den winzigen Koerper im Wasser heran, so langsam es gegen die schiebenden und zerrenden Wellen geht. Die See tobt. Auf dem Achterdeck sichern sich Michael Ulrichs und Timo Stapelfeldt erst einmal selbst fuer den einen, alles entscheidenden Moment. Eine Welle hebt den Schiffbruechigen seinen Rettern entgegen, er reisst die Arme hoch, die Welle treibt ihn gegen die Bordwand, und noch bevor sie ihn wieder fortspuehlt, kriegen sie ihn tatsaechlich zu fassen und ziehen ihn mit aller Kraft an Deck: „Wir haben ihn! Er lebt!“

Diese Geschichte holte ich uebrigens -genau heute-, nach meiner Rueckkehr ueber Land aus meinem Postkasten. Eine aktuelle Geschichte der DGzRS. Eine alte Seglerweisheit sagt: „Der beste Moment zum Reffen ist der, in dem du das erste mal daran denkst.“ – und so folgt also eurem ersten Gefuehl, hoert darauf was euer Bauch sagt, nicht euer Nachbar.

Ahoi. Und allzeit gute Fahrt.

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Einen Tag spaeter stand folgendes ueber eine gekennterte Yacht in der Nähe in der Zeitung: http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/artikeldetails/article/218/dramatische-rettung-auf-der-foerde.html
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