Tja, da war ich nun in Dresden und so nervös wie schön lange nicht mehr! Es war warm, schon eher heiss, aber darum verbog sich mein Gefühl nicht so. Ich bin ja aus nem Grund hier gelandet, und die Fahrt hierher war nicht nur von niedrigem Wasser geprägt, sondern auch von einem niedrigen Informationsstand. Lysann antwortet nicht auf SMS und Mail und am Ende besorgte ich mir sogar die Privatadresse von Lysann von meiner Mama. irgendwie stieg in mir ein Gefühl auf als ob wir uns damals im Ärger getrennt haben oder ich eben irgendwelchen Blödsinn in den Jahren verzapft habe, so das sie auf jeden Fall verärgert auf mich reagieren wird … naja es nütze nix und ich stiefelte mal los zu ihrem Laden in Dresden. Ich legte mir diverse Anfangsgespräche zurecht, die natürlich alle nicht eintragen und schwitze auf dem Weg ganz schön. Ich versuchte immer im Schatten zu gehen, so war die Sonne weg und ich versuchte den Spaziergang zu geniessen, aber das war echt bei der Nervosität nicht drin.
Irgendwann kam ich da an, wo der Laden stand und ich versuchte mich abzulenken, ich schaute genau was für Läden sonst noch da sind, wieviele Fahrräder auf der Strasse stehen und weiteren Blödsinn.
Ich betrat den Laden, eine kleine helle Glocke ertönte und da stand Sie: Schön wie eh und jeh, dazu zurückhaltend und lächelte. Eine Frau mit so schöner Haut, die einfach zum streicheln einläd – aber das ist ne andere Geschichte, und sicherlich nicht mehr in meinem Geschichtsbuch. Wir wechselten ein „Hallo“ und irgendwie war alles anders als ich mir das ausgemalt hatte. Es war entspannt und schön. An das Gespräch dann kann ich mich nicht wirklich erinnern, nur noch das dann bald Feierabend war und wir gemeinsam einen Stück des Wegen gingen und belanglos verblieben. „Ich komm dann mal beim Boot vorbei“ hiess es und so war ich wieder alleine und vollkommen geflashed was da gerade passiert war! Ich fühlte völlige Entspanntheit und vielleicht sogar Glück in Mir und ging im diesen Gefühlen! zurück zum Boot wo sich alles sofort wieder umkrempelte und ich darüber nachdachte: Wann kommt sie? Wie geht das weiter? Was mache ich solange? Warum bin ich hier? Und noch vieles mehr.

So entschied ich mich den nächsten Tag für eine Radtour nach Meissen, der Tag muss ja irgendwie rumgehen, und wer weiss was ich anstelle, wenn ich hier nun mehrere Stunden nur rumsitze. Es war weiterhin sehr warm und so fuhr ich schon am frühen Vormittag die Elbe Richtung Meissen los, nicht ohne an der Wohnung von Lysann vorbei zu schauen – falls ich doch irgendwann wissen muss wo sie wohnt, wollte ich den Weg dorthin schon mal gefahren/gelaufen sein. Es lag eh quasi auf dem Weg ; -) Und bei rund 20km Weg fiel das jetzt nicht so auf : -) So fuhr ich immer der Elbe entlang und es war nicht nur warm, sondern auch schön und entspannend, dabei dachte ich fiel daran, das es wohl die letzte Tour mit dem alten Rad sein würde, wo ich in ein paar Tagen meine Neues aus Bremerhaven holen würde … und so stieg in mir ein Trotzgedanke hoch: Nein, das soll nicht die letzte Tour sein, das ja Kinderkacke hier – immer an der Elbe lang, immer gerade aus, kein Hügel und dann nur 20km, das darf nicht die letzte sein. In Meißen landete ich dann am fusse des Schlosses und ging die Treppen hinauf um auf dem inneren Schlossplatz dann ein Kaffe zu mir zu nehmen. Dabei lauschte ich wie immer den Passanten und Päärchen die sich dort fanden und war manchen Moment glücklich das ich alleine war …
GGf. fiel auf der Rückfahrt dann der Gedanke auf Bertsdorf, da kannte ich wen (den Papa von Lysann) und bei dem hatte ich keinen schlechten Gedanken. Bei den Kommunikationen zwischendurch riet mir Lysann zwar ab, aber dieses verbuchte ich unter Lysann-Papa Problemen, die Sven-Papa ja nichts angehen, und ich blieb weiter bei meiner Meinung: Noch einmal durch die Berge mit dem Fahrrad! Ich informierte Mama das sie Peter bescheid geben möge (die telefonierte eh noch mit Ihm) und so machte ich mich den nächsten Tag auf! Klar das kurz vor Abfahrt die Arbeit wollte das ich einen Deal bearbeite, aber der musste ein bisschen warten und so nahm ich ein Notebook mit auf die Reise, so das die Wartezeit für ihn nicht allzu lang war ; -) Tatsächlich hatte ich für die rund 100km lange Tour zwei Tage geplant, denn erstens war ich immer noch nicht wieder voll drin im Radfahren und zweitens hatte meine Gangschaltung die letzten Wochen/Jahre etwas gelitten so das ich immer erst einen Gang finden musste, der funktioniert – Die Kette sprang in den meisten Zahnradkombinationen weil sie runtergenüddelt war und von km zu km auch nicht besser wurden. Ziemlich am Anfang dieser Tour war klar: Mehr als zwei Gänge sind nicht mehr drin ; -) Egal, es war ja die letzte Tour und danach sollte es dann in die Inspektion, denn so sollte es später nicht in den Keller!
Erst ging es Elbe entlang, schön flach. Und wie immer schönes Wetter! Ich könnte aber schon auf der Karte sehen, das ich irgendwann mit der Fähre über die Elbe muss und dann geht es echt fies rauf in die Berge!
Tja aber dann stand ich erstmal an der Fähre, natürlich fuhr die nicht so häufig und bei der Fahrt irgendwann waren wir dann auch nur zu Zweit. Egal, ich war auf Fahrradtour und konnte Lysann etwas vergessen … obwohl sie glaube ich durchgehend in meinem Kopf war … aber eben auf diese entspannte weise – egal, aus, ich muss den Berg hoch!
Und so kaum von der Fähre ein leichter Anstieg zur Strasse und dann links abbiegen und rauf. Erst noch leicht bebaute Schlangenlinien wurde es dann später zu einem „heiligen“ Anstieg an dem ich auf Grund von Nicht-Fitness mehrere Pausen benötigte und am Ende sogar geschoben habe. Nicht ohne mich am benachbarten Bach zu erfrischen. Es war total schön! Und ich klitschnass von dem Anstieg, nicht vom Bach ; -) Oben angekommen ging es wieder aufs Rad und weiter.

Irgendwann querte ich die Tschechische Grenze und fuhr einen kleinen Zipfel durch dieses Wunderschöne Land und Wald. Alles grün und entspannter. Passte zum Tag und so landete ich irgendwann an einem kleinen künstlichen See mitten im Wald und dachte: Nutze die Entspanntheit! Nutze sie! Geh baden! Und so tat ich das auch. Sven beim Radfahren so entspannt das er ne Pause macht und auch noch baden geht! Wie unefizient ; -) Es war toll, wenn auch nur von kurzer Dauer! Aber ich sprach mit ein paar Fischen und entschuldige mich auch bei denen – ich denke mal das war deren Teich ; -)

Am Spätmittag suchte ich dann schon den Campingplatz den ich mir ausgesucht hatte. Ich musste dann erkennen das Campingplätze nicht nur spärlich gesäht sind, auf dieser Strecke, sie existieren einfach nicht! So war der Platz dann eben eine Wiese, die ein Bauer fürs Zelt aufschlagen eröffnet hatte, genau weil es eben keine Campingplätze gab! Für eine Nacht war es genug und mit dem Bach an der Seite und den Schafen gegenüber sehr Idyllisch. Auch war ein Netto in Fussnähe der noch geöffnet hatte, so war alles gut! Nur Strom war nicht und so musste die Arbeit am Nachmittag dann vom Akku aus laufen – gemütlich an nem vollen Tisch im Schatten eines Baumes, voll mit Nahrungsmitteln und Entspannung.

Ich werkelte so noch ein bisschen mit Blick auf die Schafe, lies meinen Tagesspaziergang sein und verkrümelte mich irgendwann mit den Füssen in den Bach und genoss das fliessende Wasser dort.


Am nächsten Tag ging es dann noch um die 30km weiter nach Bertsdorf, manchmal komischer Radweg aber was solls ; -)

Irgendwann stand ich vor der Tür bei Peter – irgendwie schon ein komisches Gefühl wieder hier zu sein, jedoch begrüsste mich Peter fröhlich und überschwänglich. Ok, nicht mehr so tolle Haut wie seine Tochter, aber das hatte er auch vorher nicht ; -) Tatsächlich spürte ich wirklich Freude hier, ich war willkommen und entgegen meinem Plan dort nur eine Nacht zu verweilen und morgen wieder „abzuhauen“ lies ich mich drängend überzeugen eine Nacht mehr zu verweilen und dann eine Strecke mit dem Auto gebracht zu werden. War nach dem Akt des Herkommens auch nicht ganz zu meinem Nachteil, denn die beide waren schon sehr ausgelaucht ; -)
Und so bekam ich nicht nur ein Grillen am Abend, sondern auch noch ne schöne Tschechentour am nächsten Tag! Peter kennt sich dort sehr gut aus, und so fanden wir zwei wunderschöne Plätze (also „finden“ tat die natürlich keiner, denn Peter hatte nen Plan! ;-)
Erst einmal einen Golfplatz mit angrenzendem kleinen Tierpark und dann noch eine in den Fels gehauene Burg! Wirklich faszinierend, das war mal nen Ding, wo die entspannt aufm Berg wohnen konnten, Uneinnehmbar würde ich sagen!
Nach zwei entspannten Tagen ging es dann wieder nach Dresden, ich wurde mit dem Auto und Fahrradgepäckträger an die Elbe gefahren und konnte dort die leichten 40km nach Dresden starten. Ein sehr tolles Wochenende! Voll umsorgt von Peter, einem mit sicherlich Einsamkeit aber voller Freude vollbepacktem Menschen! Das hat mich echt weitergebracht dieses Wochenende und es war so gar nicht so, wie Lysann es mir Prophezeit hatte!

Ok, man muss an einigen Stellen eine etwas dickere Haut haben um die Anerzogenen Ecken eines 60+ DDR Bürgers zu ertragen, aber Jungs! Watt soll da Meckern bringen, der ist auch nur ein Kind seiner Erziehung, und so schlecht war da halt auch nicht alles! Kommunismus hat ja auch seine guten Seiten und im Kapitalismus gibt es auch dreckige Ecken! selbst auf meinem Boot gibt es diese ; -) und so war ich am Ende wieder eben auf diesem Boot angekommen und genoss den Abend …